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Redang und Perhentian: Sanfte Riffe und Schildkröten an Malaysias Ostküste

Wer an Malaysias Ostküste tauchen will, muss zuerst auf den Kalender schauen, nicht auf die Karte. Von etwa November bis Februar peitscht der Nordostmonsun das Südchinesische Meer auf, die Fähren bleiben im Hafen, die meisten Resorts schließen. Doch sobald sich die See im Frühjahr glättet, öffnet sich vor der Provinz Terengganu eines der zugänglichsten Riffgebiete Südostasiens: Pulau Redang und die Perhentian-Inseln. Zwei Inselgruppen, ein Meeresschutzgebiet, glasklares, badewannenwarmes Wasser — und Grüne Meeresschildkröten, die hier nicht Glückstreffer sind, sondern Stammgäste.

Ein Meer mit Jahreszeiten

Der Monsunrhythmus prägt alles an dieser Küste. Die Saison läuft grob von März bis Oktober, mit den ruhigsten Bedingungen in den mittleren Monaten, wenn die See oft spiegelglatt vor den Stränden liegt. Das Wasser ist ganzjährig warm, meist zwischen etwa 28 und 30 Grad Celsius, sodass viele Gäste im dünnen Shorty oder nur im Lycra-Anzug tauchen. Die erzwungene Winterpause hat dabei einen stillen Vorteil: Monate ohne Bootsverkehr, ohne Flossenschläge und ohne Ankerketten verschaffen den Riffen jedes Jahr eine Atempause. Wer im März anreist, taucht über Korallengärten, die gerade Monate lang niemand berührt hat. Die Sicht schwankt mit dem Plankton: An manchen Tagen liegt das ganze Riff wie unter Glas, an anderen verwandelt nährstoffreiches Wasser die Szene in eine grünliche Suppe — dieselbe Suppe allerdings, die Schwämme, Korallen und Fischschwärme ernährt. Wer flexibel planen kann, meidet die malaysischen Schulferien und die Wochenenden, an denen Tagesboote die beliebtesten Schnorchelbuchten füllen; unter der Woche und am frühen Morgen gehören viele Riffe einem fast allein.

Redang: die große Insel und ihr Schildkrötenheiligtum

Redang ist die größere und gebirgigere der beiden Destinationen, dicht bewaldet und per Boot vom Festland bei Kuala Terengganu erreichbar. Die Resorts drängen sich am Pasir Panjang, dem langen weißen Strand der Ostküste, und die Hausriffe beginnen buchstäblich dort, wo der Sand endet. Das eigentliche Herzstück der Insel liegt jedoch im Norden: die Bucht Chagar Hutang, ein Schildkröten-Schutzgebiet, in dem ein Forschungsprogramm einer malaysischen Universität seit vielen Jahren nistende Grüne Meeresschildkröten überwacht. Der Strand ist für Tagesgäste gesperrt, damit die Weibchen ungestört ihre Nester graben können — und genau diese konsequente Ruhe ist der Grund, warum man den Tieren tagsüber in den Buchten so verlässlich begegnet. Auch Echte Karettschildkröten tauchen gelegentlich auf, wählerisch an Schwämmen knabbernd. Für Gäste heißt das konkret: Die Begegnung findet im Wasser statt, nicht am Niststrand. Schnorchelausflüge steuern die Buchten an, in denen die Tiere tagsüber fressen, und wer ruhig an der Oberfläche treibt statt hinterherzupaddeln, bekommt oft minutenlange Begegnungen geschenkt, bei denen die Schildkröte zum Atmen direkt neben einem auftaucht.

Die Perhentians: zwei ungleiche Schwestern

Weiter nördlich, vom Fischerort Kuala Besut aus in kurzer Schnellbootfahrt erreichbar, liegen die Perhentian-Inseln. Perhentian Besar, die große Schwester, ist ruhiger und familiärer; Perhentian Kecil, die kleine, hat sich mit ihren Budget-Unterkünften und Strandbars einen Namen unter Rucksackreisenden gemacht. Straßen gibt es praktisch keine — man läuft über Dschungelpfade oder winkt ein Wassertaxi heran. Unter der Wasserlinie unterscheiden sich die Schwestern kaum: flach abfallende Saumriffe, Anemonenfelder voller Clownfische und Buchten, in denen kleine Schwarzspitzen-Riffhaie ihre Runden drehen. Wer schnorchelnd vom Strand aus seinen ersten Riffhai sichtet, hat ein klassisches Perhentian-Erlebnis hinter sich. Die Atmosphäre an Land ist dabei so entspannt, wie es klingt: Generatorenstrom, Flip-Flops als Dresscode, abends Grillfisch am Strand. Zwischen den beiden Inseln pendeln die Wassertaxis in wenigen Minuten, sodass man problemlos auf der ruhigen Besar wohnen und zum Sonnenuntergang auf die lebhaftere Kecil übersetzen kann — oder umgekehrt.

Unter Wasser: Riffe, die es einem leicht machen

Leicht ist hier keine Abwertung, sondern das Konzept. Die schönsten Korallengärten beider Inselgruppen liegen oft in weniger als zehn Metern Tiefe, die Strömungen in den Buchten sind mild, die Tauchplätze nur kurze Bootsfahrten entfernt. Tauchschulen auf beiden Inseln bilden am laufenden Band Anfänger aus, weil die Bedingungen so gutmütig sind: sandige Übungsbuchten, gestochene Sicht an guten Tagen und Riffe, auf denen schon in fünf Metern Tiefe mehr los ist als an mancher tiefen Steilwand anderswo. Schnorchler sehen fast dasselbe wie Taucher — Geweihkorallenfelder, Papageifische, Muränen in ihren Spalten und eben immer wieder Schildkröten, die seelenruhig Seegras rupfen, während man daneben treibt. Die Grundregeln sind einfach: nicht anfassen, nicht verfolgen, dem Tier den Weg zur Oberfläche freihalten. Auch für erfahrene Taucher lohnt sich der zweite Blick auf die vermeintlich simplen Riffe: Nacktschnecken in allen Farben, Anglerfische an den Wracks, Sepien, die im Frühjahr über den Korallen balzen, und in den Sandflächen Blaupunktrochen, die sich bei Annäherung in einer Staubwolke davonmachen. Nachttauchgänge verwandeln dieselben Hausriffe noch einmal komplett — dann übernehmen Krebse, Garnelen und jagende Muränen die Bühne.

Wracks, Felsnadeln und Granitlabyrinthe

Wer mehr will als sanfte Gärten, wird ebenfalls bedient. Vor den Perhentians ragt Tokong Laut aus dem Blau, der Tempel des Meeres: eine freistehende Felsnadel, überwuchert von Weichkorallen und Gorgonien, umschwärmt von Füsilier- und Schnapperschwärmen. Terumbu Tiga — unter Tauchern schlicht T3 — ist ein Labyrinth aus riesigen Granitblöcken mit Durchschwimmöffnungen und Lichtkathedralen. Und dann liegt da noch das Sugar Wreck, ein Frachtschiff, das bei Monsunwetter mit einer Ladung Zucker sank und heute in tauchbarer Tiefe auf dem Sandgrund ruht. Der Zucker ist längst aufgelöst; geblieben ist ein Fischmagnet, an dem Fledermausfische und Barrakudas kreisen und sich Bambushaie unter die Stahlplatten klemmen. Vor Redang wiederum locken Unterwasserberge wie Big Mount und Mini Mount, an denen sich Makrelen und Stachelmakrelen durch Wolken von Fahnenbarschen jagen.

Korallen unter Druck — und was der Schutzstatus bewirkt

Ehrlich bleibt, wer auch die Schattenseiten nennt. Wie überall im Südchinesischen Meer haben Hitzewellen im Wasser auch hier Bleichereignisse ausgelöst, und manche einst dichten Geweihkorallenfelder tragen sichtbare Narben. Dazu kommt der Druck des Erfolgs: viele Boote, viele Flossen, viele mit Sonnencreme eingeriebene Schnorchler in denselben Buchten. Trotzdem ist der Marineparkstatus mehr als ein Schild am Steg. Rund um beide Inselgruppen ist Fischerei verboten, Ankern auf Korallen untersagt, und die kleine Naturschutzgebühr bei der Anreise finanziert Bojen und Ranger. Die Fischdichte ist auffallend hoch für die Region, und wer junge Korallen erkennt, sieht an vielen Riffen Erholung wachsen. Jeder Gast kann nachhelfen: Basen wählen, die Festmacherbojen nutzen, Flossen vom Grund fernhalten, Lycra statt Öl tragen.

Praktisches für die Reiseplanung

Die Anreise ist unkompliziert, verlangt aber einen Zwischenschritt. Für Redang fliegt oder fährt man nach Kuala Terengganu und nimmt dort das Boot; für die Perhentians ist der Flughafen von Kota Bharu der übliche Ausgangspunkt, gefolgt vom Transfer nach Kuala Besut. In der Hochsaison lohnt es sich, Bootstickets und Unterkünfte vorab zu buchen, denn die Kapazitäten sind endlich. Auf den Inseln selbst gilt: Bargeld schlägt Karte, das Gepäck bleibt am besten leicht, und wer zwischen den Stränden wechseln will, plant Wassertaxis ein. Drei Nächte sind das Minimum, eine Woche fühlt sich richtig an — und die Kombination beider Inselgruppen in einer Reise ist dank der kurzen Distanzen gut machbar. Eine eigene Maske, Riffschuhe für die Dschungelpfade und eine wasserdichte Tasche für die Bootstransfers gehören ins Gepäck; den Rest stellen die Basen vor Ort. Wer seekrank wird, nimmt die Überfahrt am frühen Morgen, wenn die See am ruhigsten ist.

Auf der Karte

Erst auf der Karte wird die Geografie richtig greifbar: die Anleger am Festland, der Schwarm kleiner Inseln davor, die kurzen Wege zwischen den Tauchplätzen. Öffnen Sie die interaktive Karte, um die Riffe und Tauchplätze von Redang und den Perhentians zu erkunden, sie mit dem Rest des Südchinesischen Meeres zu vergleichen und die eigene Route zwischen den Schildkrötenbuchten zu skizzieren.